Immer schneller, immer mehr: Wenn der Leistungsdruck zu viel wird

Artikel von Tanja Tremmel – 18. Juli 2019

Das höchste Entscheidungsgremium der WHO hat kürzlich entschieden, Burnout als Krankheit erstmals anzuerkennen. Burnout wird nun offiziell als "chronischer Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann" geführt. Bis ein Arzt in Deutschland auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung die Diagnose "Erschöpfungssyndrom" angeben kann, werden allerdings noch ein paar Jahre vergehen. Woran erkennen Sie schon selbst frühzeitig, ob Körper und Seele eine Auszeit vom zunehmenden Leistungsdruck brauchen? 

Überlastungsymptome erkennen

Gefühl von chronischer Erschöpfung:
Energiemangel und Erholungsunfähigkeit  

Negative Haltung zum eigenen Job:
Verbitterung, Pessimismus und Gefühl mangelnder Anerkennung  

Verringertes berufliches Leistungsvermögen:
Konzentrationsstörungen und vermindertes Durchhaltevermögen 

Wenn die Kraft ausbleibt

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie bin ich sehr glücklich, dass Burnout endlich anerkannt wird, schließlich kommen Tag für Tag Betroffene in meine Praxis. Die Gründe sind so vielfältig und individuell wie die Menschheit, aber am Ende befinden sich alle Leidtragenden in der gleichen Situation: Sie sind körperlich und psychisch am Ende und haben keine Kraft mehr. Alle sind sie gefangen in ihrem Hamsterrad der Verpflichtungen, manchmal gepaart mit Schicksalsschlägen oder schwierigen finanziellen Situation.

Wer zu lange über seine körperlichen und seelischen Leistungsgrenzen hinweggearbeitet hat, funktioniert wie ein überdrehter Motor und kommt nicht mehr zur Ruhe. Treffen kann es im Prinzip jeden – oder sagen wir fast jeden. Der typische Egoist oder Faulpelz, nennen wir ihn Lebenskünstler, wird rechtzeitig bremsen. Es sind die Fleißigen, die Perfektionisten und die Helferlein, die in eine solche Schieflage geraten. Und natürlich diejenigen mit der Mehrfachbelastung, wie zum Beispiel berufstätige alleinerziehende Mütter.

Rechtzeitiges Handeln

Insofern ist es überhaupt keine Schande, in eine chronische Überforderung zu rutschen oder kurz davorzustehen. Wichtig ist, sich dieser Gefahr bewusst zu werden und rechtzeitig einzuschreiten. Wenn die Erschöpfung chronisch wird, die Lebensfreude nachlässt und Schlafstörungen entstehen, ist es fünf vor zwölf. Um wieder in die eigene Mitte zu finden, müssen im ersten Schritt alle Stressoren entfernt werden. Je nach Schweregrad gelingt das über eine Entschleunigung im Alltag, Achtsamkeitspraxis durch z. B. Yoga, eine längere Auszeit durch Krankschreibung oder im Bedarfsfall auch durch verschriebene Psychopharmaka.

Symptome eines Burnouts

  • Stimmungslabilität
  • geringe Frustrationstoleranz 
  • Ruhelosigkeit
  • nervöse Unruhe
  • Gereiztheit bis hin zur Aggressivität
  • Schlafstörungen
  • Infektanfälligkeit
  • Verdauungsstörungen
  • Rückenschmerzen
  • Schwindel

Der Weg zur Genesung

Erst wenn Körper und Geist ein bisschen zur Ruhe gekommen sind, kann die Analyse beginnen, um die auslösenden Faktoren zu suchen und das Leben – soweit möglich – umzustrukturieren. Dabei ist eine Frage von elementarer Bedeutung: Ist es das wert? Was brauchen wir, um wirklich glücklich zu sein? Und wo investieren wir zu viel Kraft, um am Ende nur erschöpft zu sein? Diese Phase ist begleitet von schwankenden Gefühlen, wie Trauer über die eigene Unzulänglichkeit „Warum schaffe ich das nicht mehr?“, Zukunftsangst „Werde ich wieder so leistungsstark wie früher?“ und wiederholender Verleugnung „Das bilde ich mir doch alles nur ein, das wird schon von selbst wieder!“.

Hilfe vom Therapeuten

Als Therapeutin öffne ich mich für alle Gefühle des Klienten. Denn jedes Gefühl braucht seinen Platz und will gesehen und gefühlt werden. Jeder Mensch trägt aufgrund seiner Erfahrungen unterschiedliche Muster in sich, die in solchen Krisensituationen verstärkt auftreten. Oft ergeben sich verblüffende Hinweise aus der Kindheit, die nach tränenreicher Arbeit sehr hilfreich sein können. Manchmal sind es einzelne prägende Sätze, die einen Menschen ein Leben lang antreiben. Wenn diese Sätze ins Bewusstsein gelangen und neu überprüft werden, kann vieles aufgelöst und geheilt werden. Wir müssen nicht immer leistungsstark und erfolgreich sein, auch wenn uns das eingetrichtert wurde. Wir können uns mit einem neuen Lebensgefühl identifizieren und auch Schwäche zulassen.

„Es ist nie zu spät für heilsame Tränen, die den Blick öffnen für eine neue Perspektive.“

Tanja Tremmel, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Fazit

Wie oft erlebe ich die Dankbarkeit meiner Klienten, wenn sie am Ende ihrer chronischen Überlastung feststellen, wie kostbar und wertvoll ihre Lebensveränderung war. Natürlich war es ein schmerzhafter Weg mit vielen Einschnitten, um zu diesen Erkenntnissen zu gelangen. Wir Menschen benötigen jedoch Schmerzen, um umzukehren.

In meinen Augen ist ein Burnout sehr oft auch ein "Geschenk", das den Menschen zwar erst an den Rand der Verzweiflung bringt, aber am Ende einen neuen Weg entstehen lässt. Wann nehmen wir uns schon die Zeit und beschäftigen uns wirklich mit den tiefsten Bedürfnissen unserer Seele? Erst wenn es wehtut.

Meine Aufgabe dabei ist es im Rahmen einer lösungsorientierten Kurzzeittherapie, überholte Leistungsgrenzen aufzuzeigen, neue Möglichkeiten zu erwecken und immer wieder zu motivieren, nicht aufzugeben. Die Seele weiß ganz genau, was sie braucht, wenn wir ihr zuhören.

Es ist keine Schande, wenn die Seele eine Pause braucht! Als Heilpraktikerin unterstütze ich sie gerne auf der Reise zurück zu Ihrer inneren Balance.

Tanja Tremmel, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Ein Beispiel aus meiner Arbeit mit einer Klientin

Als sich Frau A. telefonisch bei mir meldet, merke ich sofort, dass es dringend ist. Sie berichtet von massiven Schlafstörungen und körperlicher und geistiger Überforderung in ihrem Job. Seit einiger Zeit nimmt sie Beruhigungstabletten, die ihr ihr Hausarzt für Notfälle verordnet hat.

Phase 1 – Status quo

Im Erstgespräch versuche ich, mir einen Überblick zu verschaffen. Frau A. ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und Krankenschwester. Um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen, hat sie noch zwei Nebenjobs angenommen. Ihr Alltag ist zu 100 Prozent mit Pflichten ausgefüllt. Sie hat keine bis kaum Zeit, um zu entspannen. Ihre Schlafstörungen hat sie aus Verzweiflung mit Beruhigungstabletten behandelt, die aber auf Dauer abhängig machen. Sie nimmt diese Tabletten nun schon seit mehreren Wochen ein und wirkt völlig überdreht. Mir ist klar, dass hier neben einer psychotherapeutischen Begleitung unbedingt ein Psychiater konsultiert werden muss, um durch geeignete Medikamente von den Beruhigungstabletten loszukommen. Zudem benötigt sie dringend eine längere Auszeit, um "runterfahren" zu können. Es handelt sich um eine klassisches Burnout-Syndrom. 

Ich versuche ihr beide Schritte einfühlsam, aber auch klar und nachhaltig beizubringen. Erst wenn sie etwas zur Ruhe gekommen ist und auch keine Gefahr mehr in Bezug auf eine Tablettenabhängigkeit besteht, können wir Schritt für Schritt gemeinsam nach Lösungen suchen. Ich empfehle ihr einen Orthopäden, da sie auch unter Verspannungen und starker Migräne leidet. Mit diesem kann sie auch eine notwendige Krankschreibung besprechen. 

Phase 2 - Verleugnung

Frau A. will die Ernsthaftigkeit der Situation nicht glauben. Aus meiner Sicht ist es fünf vor zwölf und sie wird höchstens noch ein paar Wochen in dieser Form weiter machen können, bevor sie endgültig zusammenbricht. Sie selbst sieht es im ersten Moment anders und möchte mit gezielten Gesprächen ihre Probleme lösen. Den Ernst der Lage einzusehen, ist in vielen Fällen nicht einfach. Wir Menschen sind es gewohnt zu funktionieren und das gelingt uns auch erstaunlich lange. Loslassen und sich einzugestehen, dass man nicht weitermachen kann, ist eine der schwierigsten Aufgaben. Bei Frau A. verhält es sich ähnlich; als sie die Praxis verlässt, weiß ich nicht, ob ich sie nochmal wiedersehe. 

Phase 3 – Akzeptanz und therapeutische Arbeit

Es dauert vier Wochen, bis sie sich wieder meldet. Zwischenzeitlich war sie tatsächlich beim Orthopäden, um sich krankschreiben zu lassen und sie hat zudem den empfohlenen Psychiater konsultiert. Jetzt erst ist sie bereit, mit mir in die Seelenarbeit einzusteigen. 

Im ersten Schritt analysieren wir objektiv alle Verpflichtungen und auch ihre Finanzen, um Entlastungsmöglichkeiten zu suchen. Hierbei taucht immer wieder die Frage auf: wer kann mir helfen? Und was brauche ich wirklich? Wenn Menschen tief in einer Enge stecken, sehen sie manchmal naheliegende Möglichkeit nicht mehr. Bei Frau A. können zum Beispiel die Kinder einige Aufgaben übernehmen. Außerdem will ihre Mutter sie unterstützen. Auf manches muss aber auch verzichtet werden. Was nützt der teure Urlaub, wenn er so hart erkämpft werden muss, dass er im Burnout endet? Wir erarbeiten eine Prioritätenliste und ziemlich schnell wird der Urlaub gestrichen. Frau A. ist selbst überrascht, wie bereitwillig sie ihn aufgeben kann. Mit dieser Entscheidung kann sie ihren zusätzlichen Job als Putzfrau absagen und hat einen Nachmittag pro Woche für sich gewonnen. Dieser Schritt schenkt ihr enorme Erleichterung: Das Gefühl, jede Woche ein Stück Freiheit für sich zu haben, entlastet sie unendlich. 

Im nächsten Schritt analysieren wir ihre Hilfsbereitschaft in ihrem Job als Krankenschwester oder in ihrer Rolle als Mutter: Frau A. gibt immer zu viel, d. h. sie geht oft über ihre Grenzen der Belastbarkeit. Sie kann nicht Nein sagen. Es stellt sich heraus, der Beweggrund dafür ist, dass sie geliebt werden möchte. Das ist ein typisches Phänomen bei allen Burnout-Gefährdeten oder -Betroffenen. In diesen Fällen braucht es viel Unterstützung und Gespräche, um an die Wurzel des Problems zu gelangen. Ich arbeite in dieser Situation mit einer sogenannten "Gefühlsaufstellung". Ich habe dieses Instrument konzipiert, um den Menschen an seine Emotionen heranzuführen und über das Spüren derer neue Wege zu entdecken. 

Phase 5 – Lebensveränderung und Neustart

Es gibt immer Möglichkeiten und Lösungen, manchmal können wir sie nur nicht mehr sehen. So war es auch bei Frau A. Natürlich hat sie eine große Verantwortung zu tragen, aber sie konnte sehr wohl einiges in ihrem Leben umstrukturieren. Zusammen mit ihrer neuen inneren Haltung, mehr auf sich zu achten und sich auch Gutes zu tun, war sie nach drei Monaten wieder ziemlich in ihrer Mitte. Die lösungsorientierte Kurzzeittherapie war ein wichtiger Meilenstein auf ihrem Weg in ein besseres und leichteres Leben. 

Wenn Sie Fragen zu meinem Angebot haben, setzen Sie sich gerne mit mir in Verbindung. Ich freue mich auf Ihren Anruf oder eine E-Mail!

Tanja Tremmel
Heilpraktikerin für Psychotherapie
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