Ständig erschöpft: Bin ich hoch­sensibel oder droht ein Burnout?

Artikel von Tanja Tremmel – 08. Juli 2019

In der heutigen Zeit der ständigen Erreichbarkeit, Reizüberflutung durch diverse Medien und den vielfältigen Anforderungen in Familie und Job fühlen sich immer mehr Menschen erschöpft. Wenn dies zum Dauerzustand wird, sollte die eigene Situation hinterfragen und genauer analysiert werden und ggf. auch professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Woher wissen Sie, ob Sie eher hochsensibel sind oder sogar ein Burnout droht? In diesem Artikel möchte ich Ihnen Einblicke zu dieser Frage geben. 

Was versteht man unter Hochsensibilität?

Hochsensibilität ist ein Wesenszug, Sinneseindrücke und Reize ganz besonders intensiv zu empfinden; es ist keine Krankheit. Ein hochsensibler Mensch empfindet alles intensiver – ob Geräusche, neue Eindrücke oder sogar Stimmungen von Mitmenschen. Diese Besonderheit ist eine Gabe, wenn es um Empathie und Beziehungsfähigkeit geht. Der Hochsensible nimmt alle Empfindungen eines Tages in zigfacher Intensität auf und hat am Ende des Tages wesentlich mehr gedanklich zu verarbeiten, als der normal-sensible Mensch.

Oft sind hochsensible Menschen auch in Bezug auf ihren Körper sehr empfindlich. Sie spüren also im wahrsten Sinne des Wortes "die Erbse unter der Matratze". Das macht sich auch beim Essen und beim Schlafen bemerkbar. Ein hochsensibler Mensch benötigt genauso regelmäßig Schlaf und Essen wie ein Kleinkind, sonst verliert er sein Gleichgewicht. Bei Reizüberflutung – ein Zustand, den Hochsensible sehr schnell erreichen – kollabiert das gesamte Nervensystem des Betroffenen und er fällt förmlich aus seiner Mitte. Er kann in diesem Zustand erst recht nicht mehr schlafen und essen, was er eigentlich dringend bräuchte, und reagiert auf kleinste Anforderung plötzlich mit einem extremen Überforderungsgefühl. Es fühlt sich für die Betroffenen quasi so an, als wäre man unter Strom und völlig überdreht, kann aber nicht mehr entspannen. 

Achterbahn der Emotionen

Für andere Mitmenschen kommt dieser Punkt sehr plötzlich und abrupt, da ein Hochsensibler bis zur Belastungsgrenze der einfühlsamste und hilfsbereiteste Mensch ist, und plötzlich zeigt sich das Gegenteil. Er fährt seine "emotionalen Krallen" aus, um sich zu schützen. Dieses Muster dient der Eigenregulation, da die Hochsensiblen es nicht immer schaffen, im schnellen und lauten Alltag mitzuhalten. Sie benötigen mehr Ruhepausen und auch wirkliche Phasen der Stille, anders als der durchschnittliche Mensch. 

Wenn sich die Hochsensiblen dessen bewusst sind und ihr Leben entsprechend ausrichten, werden diese Reizüberflutungs-Krisen seltener, kürzer und auch nicht so stark ausgeprägt. In der Regel wird es aber immer ein Auf und Ab sein, dem sich die Betroffenen stellen müssen. Dies zieht auch ein Beschäftigen und Aussöhnen mit dem Phänomen nach sich. Sehr gut eignet sich dazu z. B. eine lösungsorientierte Kurzzeittherapie, um Gabe und Fluch des besonderen Wesenszugs positiv in sein Leben integrieren zu können.

Wann droht ein Burnout?

Ignoriert ein Hochsensibler seine Bedürfnisse und somit vor allen Dingen seine Einzigartigkeit, kann er schneller in ein Burnout rutschen, als der normal-sensible Mensch. Mit Burnout ist eine wirkliche Krankheit gemeint, die sowohl körperlich als auch psychisch etliche Symptome über einen längeren Zeitraum von mehreren Monaten zeigt. Es ist keine kurze Krise und sie kann in der Regel nicht ohne ärztliche oder/ und therapeutische Hilfe überwunden werden. 

Auch wenn die exakte wissenschaftliche Definition laut ICD10 (eine internationale statistische Klassifikation von Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) fehlt, ist mit Burnout eine depressive Phase mit schwerwiegenden Symptomen wie Schlaflosigkeit, depressive Verstimmung, gesteigerte Ermüdbarkeit etc., gemeint. Eine längere psychotherapeutische Begleitung mittels Gesprächstherapie kann den Betroffenen stabilisieren; Es kann gemeinsam nach den Ursachen gesucht werden und der Betroffene wird wieder ins Leben zurückbegleitet. Die Ursachen liegen meistens in einer längeren Überforderung, deren Wurzel analysiert werden muss. In vielen Fällen ist sogar eine medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka unumgänglich.

Fazit

Jeder Mensch kann bei (gefühlter) Überlastung in ein Burnout rutschen, aber nicht jeder Mensch ist hochsensibel. Um herauszufinden, ob Sie hochsensibel sind, empfehle ich z. B. den Test unter www.zartbesaitet.net

Sollten Sie sich regelmäßig erschöpft fühlen, wäre eine Ursachen-Analyse durch einen Spezialisten (z. B. Psychotherapeuten oder Heilpraktiker für Psychotherapie) sehr hilfreich, um ein Burnout zu vermeiden und ein individuelles Lebenskonzept zu erarbeiten, das zu Ihren persönlichen Bedürfnissen passt. Es ist nie zu spät, an sich zu arbeiten und sich etwas Gutes zu tun! Das betrifft erst recht Ihre Seele! 

Ich helfe Ihnen, Ihre innere Stimme wieder zu hören. Und danach erarbeiten wir gemeinsam ein Wohlfühl-Konzept!

Tanja Tremmel, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Fallbeispiel: Hochsensibel oder Burnout?

Als Frau K. (31) zu mir in die Praxis kam, war sie völlig verzweifelt und erschöpft. Die zierliche Frau klagte über chronische Überlastung in ihrem Job als Programmiererin in einer Technologie-Firma, wo sie mehrere Projekte gleichzeitig zu betreuen hatte. Sie wirkte fast zerbrechlich, als sie mir gegen über saß und ihren Kummer schilderte. Sie schluchzte, als sie ihre private Situation beschrieb. Auch der gemeinsame Haushalt mit ihrem Mann wuchs ihr immer wieder über den Kopf. Allmählich machte sich ihre nervliche Anspannung auch in der Beziehung bemerkbar. Sie bat mich um Hilfe, um einen drohenden Burnout zu vermeiden.

1. Anamnese

In meinem Erstgespräch, auch Anamnese bzw. psychodiagnostischer Befund genannt, konnte ich aufgrund der fehlenden schwerwiegenden und stetigen Symptome im Augenblick eine Depression ausschließen. Bei Frau K. gab es immer wieder Phasen der Überanstrengung, aber gefolgt von ausgeglichenen Perioden mit viel Lebensfreude. Das deutete eher auf eine mögliche Hochsensibilität hin; die sich am besten mit einem Test überprüfen lässt. Ich bat Frau K. bis zum nächsten Termin den Test unter www.zartbesaitet.net durchzuführen.

2. Befund

In der Tat bestätigte sich mein Verdacht: Frau K. gehört zu der kleinen Gruppe von hochsensiblen Menschen, die ihrem Leben besondere Achtsamkeit widmen müssen, um stabil und ausgeglichen sein zu können. Im ersten Moment war es sehr befreiend für meine Patientin, endlich zu wissen, was mit ihr los ist. Im zweiten Moment war sie allerdings verunsichert, was das nun für ihr Leben bedeuten würde.

3. Lösungsansatz

Dankbar nahm sie meinen Vorschlag an, in einer lösungsorientierten Kurzzeittherapie von ca. 5 Stunden gemeinsam ein passendes individuelles Lebenskonzept zu erarbeiten und sie auf ihrem Weg der Umsetzung zu begleiten. Ein wichtiger Baustein der Therapie ist, die besondere Eigenschaft bzw. den Wesenszug zu verstehen und dann anzunehmen und zu integrieren. Gerade das Annehmen ist nicht immer einfach und braucht ein behutsames Vorgehen. Es ist wichtig, dabei alle auftretenden Gefühle erst einmal anzuerkennen und nicht zu verdrängen. So wollte Frau K. immer stark und robust sein und war doch so zerbrechlich und zierlich, fühlte sich manchmal so fehl am Platz in dieser Welt. Sie konnte nur den Fluch, aber nicht die Gabe in der Hochsensibilität sehen.

Ich zeigte ihr die andere Seite der Medaille und half ihr, ihre Gabe zu erkennen, wertzuschätzen und sich damit mehr zu lieben. Sie konnte zum Beispiel mit ihrer Empathie sehr auf anderen Menschen eingehen, so dass sie tiefe Beziehungen pflegte und in der Lage war, auch viele Menschen zu trösten. Als sie die positiven Seiten erkennen konnte, fing sie an, ihre Besonderheit anzunehmen und mit großem Eifer ihre Stolpersteine aber auch Kraftquellen mit mir zu erarbeiten. In dieser Phase verliefen unsere Stunden sehr ergebnisorientiert mit vielen handfesten Tipps. In ihrem Leben wurde einiges angepasst: von der vermehrten Nutzung des Homeoffice anstelle des Großraumbüros bis hin zur Änderung des Freizeitverhaltens mit mehr Phasen der Stille durch Yoga und Regelmäßigkeit beim Essen und Trinken. Es wurde jedoch nichts grundsätzlich auf den Kopf gestellt.

Die letzte Herausforderung war, ihren Partner mit ins Boot zu holen, um den nötigen Freiraum für ihre Ruhephasen zu bekommen. An dieser Stelle ist das Verständnis des Partners wichtig, um nicht als "Nein-Sager" zu gelten, der vielleicht sogar die Beziehung infrage stellt. Ich bot Frau K. an, ihrem Mann gerne die Situation zu erklären, sollte sie Hilfe benötigen. Dies war aber hinfällig, weil sie das ganz allein meisterte und ihm auch gleich ein paar Bücher mitgab.

4. Lebensveränderung

Nun galt es, das Erarbeitete umzusetzen und vor allen Dingen im Alltag zu bewahren, um starke Rückschläge zu vermeiden. Frau K. kam noch zweimal im Abstand von ein bis zwei Monaten zu mir, um Rückschau zu halten, ob sie auf dem richtigen Weg war. Wir justierten in dieser Zeit ein paar Kleinigkeiten und beleuchteten ihre kurz aufwallenden Selbstvorwürfe, als sie nach ihrem ersten Rückschlag sehr frustriert war. Aber auch Rückschläge gehören dazu. Es gibt keinen Lernprozess ohne Rückschläge. Zudem sind die Belastungsgrenzen nie starr. Es wäre schade, immer 100 Meter vor der Grenze stehenzubleiben, es würden so viele Chancen im Leben verloren gehen. Es lohnt sich daher ab und zu, die Grenzen zu überprüfen, aber bei Bedarf wieder umzukehren und sich zu erholen. Wir alle stehen täglich vor neuen Herausforderungen und müssen immer wieder den richtigen Weg suchen. Für Hochsensible sind Rückschläge etwas stärker ausgeprägt, aber ich möchte Sie trotzdem ermutigen, "im kleineren Ausmaß" mutig zu sein. Und dabei begleite ich Sie gerne!

Wenn Sie Fragen zu meinem Angebot haben, setzen Sie sich gerne mit mir in Verbindung. Ich freue mich auf Ihren Anruf oder eine E-Mail!

Tanja Tremmel
Heilpraktikerin für Psychotherapie
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